Aus der Forschung für die Praxis

Grenzen der Wahrnehmung beim Bremsen.

Die ifz-Studie analysiert die Wahrnehmung und Einschätzung von Bremswegen bei Motorradfahrenden und vergleicht diese mit real gemessenen Bremsleistungen.

50
Teilnehmende
200
analysierte Fahrten
50 / 70 / 80
km/h im Fokus
2026
Publikation der Studie
ADAC-Übungsplatz Recklinghausen 
Studienbild Motorrad
ifz-Studie 2025

Motorrad · Wahrnehmung · Bremsweg · Prävention

200 Testfahrten auf dem ADAC-Areal in Recklinghausen.

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Warum dieses Thema verkehrssicherheitsrelevant ist

Motorradfahrende treffen im Verkehr ständig Entscheidungen auf Basis ihrer Distanzwahrnehmung. Doch wie zuverlässig sind diese Einschätzungen tatsächlich? Die Studie untersucht, wie realistisch Bremswege eingeschätzt werden und wie diese Einschätzungen mit der tatsächlichen Bremsleistung übereinstimmen.

Kernproblem

Technischer Fortschritt wird aufgezehrt

Wenn Fahrende Distanzen, Geschwindigkeiten oder den eigenen Anhalteweg systematisch fehlerhaft einschätzen, entsteht sicherheitsrelevantes Fehlverhalten – selbst dann, wenn Fahrzeuge technisch leistungsfähiger werden. Genau an dieser Problematik setzt die Studie an.

Abstand als Präventionselement
Wahrnehmungsdefizite als Problem
Praxisrelevanz für Training und Kommunikation
Aussagen zur Relevanz von Assistenzsystemen
Forschungsansatz

Wahrnehmung und Realität im Vergleich

Die Studie verbindet Wahrnehmungspsychologie und Fahrdynamik. Untersucht wird, wie Motorradfahrende Bremswege einschätzen und wie diese Einschätzungen mit der tatsächlich gemessenen Bremsleistung übereinstimmen.

Methodischer Ansatz

Kontrollierte Bremsversuche und Befragung

Grundlage der Studie sind kontrollierte Bremsversuche auf einer Teststrecke sowie ergänzende Befragungen der Teilnehmenden. Dadurch lassen sich subjektive Einschätzungen und reale Fahrdynamik systematisch vergleichen.

Von der Forschungsfrage zur Hypothese

Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Frage, wie realistisch Motorradfahrende Bremswege einschätzen. Daraus wird die Hypothese abgeleitet, dass zwischen subjektiver Einschätzung und realer Bremsleistung systematische Unterschiede bestehen können.

Hypothese
Die subjektiv eingeschätzte Bremsleistung von Motorradfahrenden weicht systematisch von der tatsächlich erreichbaren Bremsleistung ab.

Diese Annahme wird empirisch überprüft, indem geschätzte Bremswege mit real gemessenen Bremsleistungen verglichen werden.

Wahrnehmung

Wie werden Entfernungen und Bremswege visuell eingeschätzt?

Leistung

Welche Bremsleistung wird unter realen Bedingungen erreicht?

Differenz

Wo entstehen sicherheitsrelevante Abweichungen zwischen Einschätzung und Realität?

Versuchsaufbau und Studiendesign

Die Untersuchung kombiniert kontrollierte Bremsversuche auf einer Teststrecke mit Befragungsdaten. Dadurch lassen sich subjektive Bremsweg-Einschätzungen einer Gefahrenbremsung systematisch mit real gemessenen Bremsleistungen vergleichen.

Versuchsort

ADAC Verkehrsübungsplatz Recklinghausen

Erhebungsmethoden

Sichtschätzung, Distanzangabe, reale Gefahrenbremsung und Fragebogen

Geschwindigkeitsstufen

50, 70 und 80 km/h als Vergleichsstufen

Stichprobe

Erfahrene Motorradfahrende mit Angaben zu Fahrpraxis und demografischen Merkmalen

Analyseansatz

Vergleich von subjektiver Bremsweg-Einschätzung und realer Bremsleistung

Praxisrelevanz

Implikationen für Abstand, Motorradtraining und Fahrerassistenzsysteme

Teststrecke
Versuchsaufbau auf der Teststrecke

Versuchsaufbau auf der Teststrecke

ADAC Verkehrsübungsplatz Recklinghausen

Schema
Versuchsaufbau

Versuchsaufbau

Schematische Darstellung des Versuchsaufbaus mit Teststrecke, Geschwindigkeitsvorgaben sowie den eingesetzten Mess- und Aufzeichnungssystemen.

Von der Idee zur Veröffentlichung

Die Chronologie zeigt den Weg von der ersten Forschungsfrage über Konzeption und Feldphase bis zur Auswertung und Veröffentlichung der Ergebnisse.

Konzeption
2024

Forschungsfrage

Ausgangspunkt der Studie war die Frage, wie realistisch Motorradfahrende ihren eigenen Bremsweg einschätzen und welche Bedeutung mögliche Fehleinschätzungen für Abstand und Gefahrenwahrnehmung im Straßenverkehr haben.

Design
2025 / Frühjahr

Studiendesign

Festlegung der Geschwindigkeitsstufen, Entwicklung des Versuchsaufbaus sowie Auswahl der Erhebungsmethoden für Bremsweg-Schätzung, Distanzangaben und reale Gefahrenbremsungen.

Erhebung
2025

Datenerhebung

Praktische Untersuchung auf dem ADAC Verkehrsübungsplatz Recklinghausen mit erfahrenen Motorradfahrenden. Ergänzend wurden Fragebögen zu Fahrerfahrung, Fahrpraxis und Selbsteinschätzung erhoben.

Analyse
2025

Datenanalyse

Vergleich zwischen geschätzten und real gemessenen Bremswegen sowie Analyse der Distanzwahrnehmung und möglicher Zusammenhänge mit Fahrpraxis und demografischen Merkmalen.

Veröffentlichung
2026

Publikation

Aufbereitung für Fachöffentlichkeit, Praxis und Verkehrssicherheitsarbeit mit Fokus auf Abstand, Wahrnehmungsgrenzen und praktische Präventionsbotschaften.

Zentrale Befunde der Studie

Erste Auswertungen zeigen Unterschiede zwischen subjektiver Bremsweg-Einschätzung und real gemessener Bremsleistung sowie mögliche Verzerrungen in der Distanzwahrnehmung.

Distanzwahrnehmung

Die bisherigen Auswertungen zeigen, dass Entfernungen im Raum systematisch fehlerhaft eingeschätzt werden. Subjektiv plausibel wirkende Abstände sind häufig kleiner als angenommen.

Bremsweg-Schätzung vs. Realität

In vielen Fällen kamen Teilnehmende früher zum Stehen als zuvor geschätzt. Gleichzeitig kann fehlerhafte Distanzwahrnehmung im Verkehr zu sicherheitsrelevanten Fehleinschätzungen führen.

Verkehrssicherheitsrelevanz

Die Ergebnisse zeigen, dass Abweichungen zwischen Wahrnehmung und realer Bremsleistung für sicherheitsrelevante Entscheidungen im Straßenverkehr von Bedeutung sind.

Diagramm 70 km/h
Vergleich zwischen Bremswegschätzung und realem Bremsweg bei 70 km/h für 50 Teilnehmende

Vergleich von Bremswegschätzung und realem Bremsweg
bei 70 km/h.

Einordnung

Deutliche Streuung bei der Bremswegschätzung

Das Diagramm zeigt für jede teilnehmende Person den subjektiv geschätzten Bremsweg bei 70 km/h im Vergleich zum tatsächlich gemessenen Bremsweg. Sichtbar wird eine teils deutliche Streuung.

Sehr oft liegt die angenommene Bremsweglänge über dem realen Wert, in anderen Fällen wird der Bremsweg unterschätzt. Die Abweichungen fallen zwischen den Personen sehr unterschiedlich aus.

Für die Verkehrssicherheitsarbeit ist das besonders relevant, weil daraus Fehlannahmen über notwendige Sicherheitsreserven entstehen können.

Interpretation

Einordnung der Befunde

Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass zwischen subjektiver Einschätzung und realer Bremsleistung systematische Abweichungen bestehen.

Diese Unterschiede sind nicht nur wissenschaftlich relevant, sondern auch für Trainingspraxis, Kommunikation und die zukünftige Ausgestaltung sicherheitsbezogener Systeme.

Konsequenz

Praxisrelevanz der Streuung

Die Spannweite der Einschätzungen macht deutlich, dass sich Sicherheitsreserven nicht zuverlässig aus Intuition ableiten lassen. Gerade bei höheren Geschwindigkeiten können daraus relevante Fehleinschätzungen im Verkehrsalltag entstehen.

Bedeutung für Training, Kommunikation und Systeme

Die Ergebnisse liefern Ansatzpunkte für Motorradtrainings, Sicherheitskommunikation und Abstandsthemen im Straßenverkehr sowie für die Diskussion möglicher Fahrerassistenzsysteme an motorisierten Zweirädern.

Aus der Studie ist die Kampagne #AbstandKommtAn hervorgegangen. Sie übersetzt die Befunde in konkrete Präventionsbotschaften für die Verkehrssicherheitsarbeit.

Training

Instruktion und Training

Ansatzpunkte für Instruktion, Übungen und Reflexion im Motorradtraining.

Kommunikation

Abstand und Selbstbild

Klarere und wissenschaftlich fundierte Botschaften zu Abstand, Wahrnehmung und möglicher Selbstüberschätzung im Straßenverkehr.

Technik

Assistenzsysteme

Anknüpfungspunkte für Abstandswarner und weitere sicherheitsbezogene Fahrerassistenzsysteme.

Forschung

Schließen einer Forschungslücke

Die Studie liefert empirische Grundlagen zur Differenz zwischen Bremsweg-Einschätzung und realer Bremsleistung und ermöglicht es, zukünftige Empfehlungen, Trainingskonzepte und Assistenzsysteme besser zu fundieren.

Kampagne

#AbstandKommtAn

Die Kampagne von ifz und DVR macht sichtbar, warum Sicherheitsabstand auf zwei Rädern mehr ist als eine Empfehlung: Er ist Reaktionszeit, Sichtreserve und Sicherheitsgewinn zugleich.

Die zentralen Aussagen der Studie werden dort in Motive, Kernbotschaften und anwendungsnahe Kommunikation übersetzt.

Film

Studie im Kurzfilm

Der Film skizziert die Studie kompakt.

Die Studie ist veröffentlicht

Der vollständige Studienbericht „Grenzen der Wahrnehmung beim Bremsen“ liegt jetzt vor. Er dokumentiert Studiendesign, Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Untersuchung zur Bremsweg-Schätzung und realen Bremsleistung bei Motorradfahrenden.

Die Publikation steht als PDF zur Verfügung und richtet sich an Fachöffentlichkeit, Trainingspraxis und Verkehrssicherheitsarbeit.

Titel und Autoren
  • Grenzen der Wahrnehmung beim Bremsen. Eine Untersuchung zur Bremsweg-Schätzung und realen Bremsleistung bei Motorradfahrenden
  • Dipl.-Päd. Matthias Haasper, André Lang B.A., Alexander Conrad B.Sc.